Tag 6 vormittags Ataşehir

Montag, 22. Oktober 2012 | Pazartesi 22 ekim

Vormittags Manöverkritik. Viele haben wegen unseres Trips nach Tarlabaşı ein schlechtes Gefühl und finden, dass es unglücklich gelaufen ist. Dafür, dass wir noch in Berlin drüber gesprochen haben, dass wir eigentlich nicht neokolonial durch die Gegend rennen wollten, ist nach Meinung vieler genau das passiert. Es ist schwierig, wie man mit solchen Situationen umgehen soll – gerade in der zweiten Hälfte unseres Spaziergangs sind wir ja in Tarlabaşı auch Leuten begegnet, die gerne mit uns reden wollten und durchaus offen waren. Wie gesagt, ein wenig bessere Vorbereitung und Kontakt mit Ansässigen hätte wahrscheinlich geholfen, vor allem, weil ich später erfahren habe, dass viele Studierende in T. wohnen und es viele Initiativen gibt, die sich mit dem Viertel beschäftigen. Das Blog der Anthropologin Constanze Letsch und dem Fotografen Jonathan Lewis www.tarlabasiistanbul.com sammelt vieles davon und wie sich das Viertel entwickelt. Letsch schreibt oft auch für den Guardian über Tarlabaşı. Eine schöne visuelle Reportage habe ich im Blog “Anders anziehen” gefunden, wo die Autorin auch von Außen dahin kommt, von vielen gewarnt wird, aber dann doch sehr nett aufgenommen wird.

Egal, Dinge sind nicht immer perfekt und wir wollen weitermachen. Der Tag heute wird dann noch für mich sehr lohnend, am späten Nachmittag, als wir nach Emekevler kommen, doch zunächst geht es nach der vormittäglichen Besprechung nach Ataşehir in ein Mittelklasse-Wohnviertel. Kam und Hatice wohnen hier in der Nähe, also fotografieren in ihrem eigenen Turf sozusagen. Sie wundern sich auch zunächst etwas, was es denn hier zu fotografieren gibt, sind aber durch aus bereit, mitzumachen. Das ist ja schließlich der Sinn der Sache für sie – ihre eigene Stadt neu kennenzulernen beziehungsweise durch unsere Augen neu zu sehen.

Ein paar von uns fahren jedenfalls mit Kams Auto hin und zuerst müssen wir mittagessen. Ist schließlich MIttag und da ich morgens kaum frühstücke – außer irgendwann einen Kaffee oder Tee – ist mir das nur recht. Die Ladenpassage ist zweistöckig, wobei oben aber viel leer steht. Wir essen in einer Lokanta, da isst man hier zu Mittag, das ist so ein Selbstbedienungsrestaurant, wo man drei oder vier gekochte Essen zur Auswahl hat. Meinst sehr lecker und nicht teuer. Hier ist das eher die Yuppie-Version im Vergleich zu anderen Läden, wo wir waren.

Es ist schwierig in einer solchen Ladenpassage Fotos zu machen, weil sie letztendlich doch eher fade sind – und überall gleich aussehen. Einige von uns werden von Sicherheitsleuten angesprochen, aber nichts passiert wirklich. Wir erklären, dass wir einfach nur eine Fotogruppe aus Deutschland sind und man lässt uns ziehen. Mir passiert das vor einer Bank – auch hier kein Problem, nachdem ich erklärt habe, woher ich komme und was ich will. Über der Passage und im Hintergrund wachsen die Hochhäuser in den Himmel, so Mittelklasse-Wohnhäuser, keine Büros hier, jedenfalls nicht hauptsächlich. Es gibt aber nette kleine Details, gekachelte Wände, ein blaues Mosaik und vor allem die Skulpturen, die alle 100 Meter verteilt sind und aussehen wie Satelliten, die hier gelandet sind (nur das echte Satelliten sehr viel kleiner sind, wie ich später im Deutschen Museum in München sehen werde).

Nachher teilt sich die Gruppe – die einen gehen in die Moschee, die wir auf dem anderen Hügel sehen und die grade neu gebaut wurde – ein ziemlich großes Teil. Die anderen besuchen Emekevler, ein übriggebliebenes Gecekondu nicht weit von der Einkaufspassage. Dorthin gehe ich auch.

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